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Die Traumgaragen der Maharadschas

Die Traumgaragen der Maharadschas

Im Jahr 1897 importierte ein gewisser J. B. Foster, der für Greaves Cotton & Co. tätig war, erstmalig einen Benz nach Bombay (dem heutigen Mumbai). Bald schon eroberten die Autos auch die Straßen Kalkuttas, das während der Kolonialzeit Hauptstadt von Britisch-Indien war. 1898 bestellten drei indische Fürstentümer „drei pferdelose Kutschen“ – die lange Liebesgeschichte der Maharadschas zum Automobil hatte begonnen! Sie dauert bis heute an.

Im Laufe der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts kamen so einige Tausend Automobile in die Garagen der rund 500 herrschenden Familien. Geld spielte keine Rolle, wichtiger waren Luxus und Originalität. Mitunter exzentrische Einfälle der indischen Potentaten führten zu wirklich außergewöhnlichen Konstruktionen wie Fahrzeuge für den Transport des Herrschers auf seinem Thron, Jagdwagen mit Gewehrkisten, zeremonielle Modelle für Hochzeiten und Paraden und schließlich sogenannte „Purdah-Automobile“ mit Vorhängen im Fond, so dass die Damen nach draußen blicken konnten, ohne selbst gesehen zu werden. Die Herrscher standen im ständigen Wettstreit um die ausgefallensten Ideen, wobei der gute Geschmack nicht immer die Hauptrolle spielte. Der Gipfel dieser absurden Konstruktionen ist wohl der „Swan Car“, ein 1912er Brooke, dessen Vorderteil in eine Schwanen-Skulptur verwandelt worden war. Der seltsame Vogel war zudem in der Lage, Dampf aus den Nasenlöchern auszustoßen! Bezeichnenderweise war diese automobile Entgleisung nicht das Werk eines exzentrischen Bengali, sondern der Einfall eines wohlhabenden Briten aus Kalkutta. Die indische Sonne war ihm wohl doch etwas zu heiß geworden.

Viele dieser außergewöhnlichen Autos sind verschollen, einige aber haben in Museen in Europa oder den USA oder bei indischen Sammlern überlebt. Und einige der bemerkenswertesten Modelle stehen nach wie vor in den Remisen und Garagen der einstmals mächtigen Familien Indiens.

Dieses Buch führt den Leser auf eine ebenso exotische wie hochinteressante Reise in die Welt der einst oder auch immer noch märchenhaft reichen Familien Indiens und ihrer Automobile.

Buchinformationen:

  • Gautam Sen
  • Die Traumgaragen der Maharadschas
  • 256 Seiten, 356 Farb- und 10 s/w-Abbildungen
  • 245 x 290 mm, gebunden im Schutzumschlag
  • Heel-Verlag
  • € 39.90
  • ISBN 978-3-86852-676-9

Kommentar:

Dieses Buch hat mich nach der Lektüre einiges Kopfzerbrechen bereitet, denn ich war lange Zeit unschlüssig, was ich von dem Werk halten sollte. Es hat was von den allseits bekannten Stereotypen wie "Die 100 schönsten Oldtimer der Welt" oder "Traumwagen von 1886-1986", welche die Zielgruppe nicht genau umreißen können. Für eingefleischte Oldtimerfans Titel, die nicht einladen, ihr spezifisches Wissen zu erweitern und die für den Laien zu oberflächlich sind, um sich mit der Materie ernsthaft auseinandersetzen zu können.

"Die Traumgaragen der Maharadschas" ist jedoch anders. Es ist eine Mischung aus beidem. Es kratzt an der Oberfläche, dringt jedoch im ein oder anderen Fall tief in die Geschichte der vorgestellten Autos ein. So wie beispielsweise bei den beiden Rolls-Royce 20/25 HP, von denen der eine zum Pick-Up mit zwei Sitzbänken und der andere zum Cricket-Mannschaftswagen mit elf Plätzen umgestaltet wurde. Dann brilliert der Band mit Seltenheiten wie beispielsweise dem MG Magna F1, dem Delahaye 135 DE von 1939, dem Auburn V12 oder dem Mercedes-Benz 500K im Originalzustand mit hinreißender Patina sowie einem raren Standard Avon und verliert sich auf der anderen Seite in Massenprodukten wie u.a. einem MG TC, einem Buick Roadmaster, einem Mercedes-Benz 290 oder dem unvermeidlichen 300SL-Roadster. In diesen Gegensätzen wird der oben angedachte Zwiespalt offenbar.

In den Traumgaragen der Maharadschas stehen mit Sicherheit noch mehr hochinteressante Modelle, die es wert gewesen wären, an deren statt im Buch Erwähnung zu finden auch wenn Gautam Sen beteuert, sein Buch erhebe keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Soll es und wird es aufgrund des Umfangs der Sammlungen auch nicht können. Doch die Einmaligkeit der Besitztümer der Maharadschas beweist der Autor u.a. auch durch den Invicta "Black Prince" oder den Hispano-Suiza H&C mit Gewehrkasten sehr eindrucksvoll. Einmal jedoch wird der Blick in eine umfangreiche Traumgarage eröffnet. Der Autor scheint eine gewisse Vorliebe für den Sammler Pranlal Bhogilal zu haben, denn seine eindrucksvolle und sehenswerte Sammlung wird relativ ausführlich vorgestellt. Überhaupt offenbaren die Sammlungen der Fürstenhäuser deren eindeutigen automobilen Präferenzen, die sich in Fahrzeugen vorwiegend britischer, amerikanischer und deutscher Provenienz widerspiegeln.

Im Vorwort schreibt Sen, er wolle nicht die Geschichte Indiens aufschreiben, doch ein wenig ist er von diesem Vorhaben abgerückt, was nicht zum Nachteil des Buches geraten ist. Erfährt der Leser doch wichtige Details über die Fürstenfamilien, der damit verbundenen indischen Geschichte und den unermeßlichen Reichtum, den die Herrscher zum Ausgeben zur Verfügung hatten. In den Geschichten der vorgestellten Autos wechseln sich daher indische und automobilistische Historie teils lesenswert, teils zu langatmig gehalten, ab. Langatmig wird es immer dann, wenn es zum Fahrzeug an sich nicht viel mehr als dessen kurze Entstehungsgeschichte statt der wechselvollen Historie desselben, zur Verfügung steht. Dann greift Gautam Sen auf die Geschichte des jeweiligen Besitzers und dessen Familie zurück.

Ein Inhaltsverzeichnis über die abgebildeten Fahrzeuge wäre eine große Hilfe fürs spätere Nachschlagen gewesen. Alle Bilder sind in ordentlicher Qualität gehalten, einzig ein paar wenige fallen durch zu große Schatten und Abdunkelungen auf, was bedauerlicherweise den Blick auf das abgebildete Fahrzeug behindert, weil so wesentliche Partien im Dunkeln bleiben.

Übrigens: wer sich auf den im Einleitungstext erwähnten Swan Car freut, der übrigens Baujahr 1910 und nicht 1912 ist, wird enttäuscht sein. Dieser kommt im Buch gar nicht vor. Wer ihn trotzdem sehen mag, nebst einer knappen Geschichte seiner Entstehung, kann dies auf der Interneseite des englischen "The Telegraph" tun oder einfach Swan Car in Google eingeben.

Die Kapitel im einzelnen:

Die Spielzeuge der Krone

  • Eine Familiengeschichte
  • Eine dynastische Leidenschaft
  • Schöne Zeiten im königlichen Palast
  • Der Schönste von allen: Delahaye 135 von 1939

Im Königreich der Sammler

  • Latin Lover
  • Aus alt wird neu
  • Die Spuren der Vergangenheit
  • Die anderen seltenen Stücke
  • Der Doktor und seine Autos
  • Die Leidenschaft des Advokaten
  • Der Perlentaucher
  • Ein Deutscher in den Tropen
  • Der schwarze Prinz
  • Schönheiten im Exil

Sollte Ihnen die Rezension gefallen und Ihre Neugierde geweckt haben, können Sie dieses Buch hier gleich kaufen. (mdr)

   
   

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