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Schwäbische Sternstunden - Wie wir Weltspitze geworden sind

Schwäbische Sternstunden
Wie wir Weltspitze geworden sind

Wieso hat es im Jahr 1815 erst einen Vulkanausbruch im fernen Indonesien gebraucht, um das verarmte Königreich Württemberg in die Moderne zu führen?
Wie soll man in einem Land ohne Bodenschätze das Automobil erfinden? Wie hat es König Wilhelm I. trotzdem geschafft, die richtigen Weichen dafür zu stellen?
Warum waren sich Bosch, Benz und Daimler ihr Lebtag lang spinnefeind?
Und: was ist dran an der Behauptung, dass der Ottomotor gar nicht von Otto erfunden worden, sondern erst von Wilhelm Maybach zum Laufen gebracht worden ist?

Aber wieso hat es erst der Österreicher Emil Jellinek geschafft, um Bosch, Daimler und Porsche zu Weltfirmen zu machen?
Weshalb hatte Graf Zeppelin in Friedrichshafen niemals einen festen Wohnsitz?
Seit wann war sich Ferdinand Porsche darüber im Klaren, dass er nur in Stuttgart den Durchbruch schaffen würde?
Und: was wären sie alle ohne ihre Frauen gewesen?

Fragen über Fragen – auf die Gunter Haug in seinem kurzweilig geschriebenen Buch „Schwäbische Sternstunden“ verblüffende Antworten gibt. Anekdoten und Geschichten aus einer Zeit, in der aus dem einstigen Armenhaus Europas der sprichwörtliche Motor für die ganze Welt geworden ist. Dass so etwas natürlich nur hierzulande, im Land der Tüftler und Denker gelingen konnte, wird ebenfalls glasklar dargelegt.

Buchinformationen:

  • Gunter Haug
  • Schwäbische Sternstunden - Wie wir Weltspitze geworden sind
  • 320 Seiten, 86 Fotografien
  • 205mm x 130mm, gebunden mit Schutzumschlag
  • Landhege-Verlag
  • € 19.90
  • ISBN 978-3-943066-37-1

Kommentar:

Die Schwaben werden oft wegen ihres Dialektes belächelt. Je weiter es auf die "rauhe Alb" geht, desto mehr wird belächelt. Vorrangig von den vornehmen "Städtern" (und nicht von jenen außerhalb Schwabens, wie man meinen sollte) die sich im Lauife der Zeit ein etwas "poliertes" Schwäbisch zugelegt haben. Was die Städter aber nicht wissen: die "rauhen Älbler" belächeln zurück, halten die Städter für keine echten Schwaben, so daß man sich in herzlicher Abneigung verbunden fühlt. Der Gipfel ist die vermeintliche Zerstörung der Alb durch Stadtbewohner, die es meist einmal pro Woche, gerne am Sonntag zum Spaziergang, in die höhergelegene Natur zieht. Da legt der Älbler ob der Blechlawinen, die sich die Steigen hinauf wälzen, gerne seine ohnehin meist runzlige Stirn in noch tiefere Falten.

Keine Sorge, Gunter Haug versucht nicht, die tapferen Schwaben in gute und böse Mitmenschen zu kategorisieren, doch wenn man sich mit den zahlreichen Persönlichkeiten, die das Königreich Württemberg emporgehoben haben, auseinandersetzt, stößt man unweigerlich auf Mentalitätsunterschiede innerhalb der schwäbischen Volksgenossenschaft. Zu weitläufig sind deren Herkunftsregionen, um nicht auf besagte Unterschiede zu stoßen: Schwäbische Alb, Ostalb, Hohenlohe, Filstal, Bodensee, Neckarraum etc. Alle bringen sie ihre Eigenheiten mit.

Haug nimmt den Leser auf eine spannende Reise durch die Württembergische (Technik-)Geschichte von 1816 bis in den Zweiten Weltkrieg mit. Dabei unterteilt der Autor das Buch in kurze und dadurch angenehm zu lesende Kapitel. Er beschränkt sich auf das Wesentliche, so daß Langatmigkeit aus und der Spannungsbogen erhalten bleibt. Die Lektüre wird dadurch angenehm kurzweilig.

Im wesentlichen ist das Buch eine sehr gute Zusammenfassung der bisher erschienenen Titel Haugs wie Robert Bosch - Der Mann, der die Welt bewegte, Ferdinand Porsche – Ein Mythos wird geboren, Das Fräulein Mercedes, Gottlieb Daimler - Der Traum vom Fahren und Ferdinand Graf Zeppelin.

Inhaltlich schmeicheln Gunter Haugs Recherchen, einem Schwaben durch und durch, was sich auch in der Verwendung zahlreicher schwäbischer Ausdrücke niederschlägt, den Württembergern durchaus, denn welche deutsche Volksgruppe kann schon von sich behaupten, eine derart große Anzahl von Technik-Genies auf sich vereinen zu können, die es überdies zu Weltruhm gebracht haben? Die ein ganzes Bundesland zu Weltgeltung und Wohlstand geführt haben? Ab und an blitzt dabei jedoch auch starker schwäbischer Stolz durch, der vermutlich bei Nicht-Schwaben auf wenig Gegenliebe stoßen wird. So legt der Autor das Datum der Geburtsstunde des Automobils keck auf den 10.11.1885. Das Datum, an welchem die Jungfernfahrt des mittels Daimlers und Maybachs entwickeltem schnellaufendem Motor versehenen Reitwagen glückte. Paul Daimler, Gottlieb Daimlers Sohn, fuhr damit von der Werkstatt Daimlers in Cannstatt nach Untertürkheim und zurück. Was wohl die Badener um Carl Benz dazu sagen werden? Wurde doch durch die Patentanmeldung des Benz'schen Dreirads am 29.01.1886 allerorten dieses Datum als offizielle Geburtsstunde des Automobils festgeschrieben.

Oder die Geschichte um die erste motorisierte Buslinie der Welt. Haug stellt schwäbisch selbstbewußt klar: Die Strecke Bad Mergentheim-Künzelsau im Oktober 1898 war's und nicht die allseits kolportiere Überlieferung, jene am 18.03.1895 zwischen Siegen und Netphen sei's gewesen. Denn schließlich mußte aufgrund von Betriebsstörungen am 20.12.1895 die Linie aufgegeben und erst 1906 wieder motorisiert aufgenommen werden. Dazwischen kamen, wie vorher, Pferdeomnibusse zum Einsatz. Ergo war die schwäbische Linie die erste regelmäßige der Welt!

Dennoch: die Zusammenfassungen der Lebensläufe um die Technikpioniere Bosch (den man aufgrund seiner sozialen Einstellung den "roten Bosch" nannte), Zeppelin (vom Kaiser als "Narr vom Bodensee" verspottet), Daimler (der wider besseren Wissens stur an seiner Glührohrzündung festhielt), Maybach (ein Waisenknabe, der ohne die glückliche Begegnung mit Daimler niemals seine Talente hätte voll ausschöpfen können), Porsche (dessen Rastlosigkeit und Jähzorn seiner Karriere oft im Weg standen) oder Emil Jellinek (dessen Exzentrik Daimler und Maybach zu immer höheren Leistungen anfeuerte) spiegeln eine Zeit voller Aufbruch wider und fesseln den Leser ans Buch, das man getrost als flammende Ode und warmherziges Plädoyer auf Württemberg bezeichnen kann. (mdr)

   
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