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Die Akte Volkswagen

Die Akte Volkswagen

Ferdinand Porsche war der Konstrukteur des Volkswagens, Heinrich Nordhoff hat ihn zum Bestseller gemacht. So wird die Geschichte erzählt. Doch ist dies vielleicht nur die halbe Wahrheit? Stammen wesentliche Technikmerkmale des Volkswagens ursprünglich nicht auch von anderen Ingenieuren? Welche Rolle spielte ein junger britischer Offizier? War es tatsächlich Nordhoff, der das VW-Werk und den Käfer auf Touren brachte? Christof Vieweg weiß es!

Buchinformationen:

  • Christof Vieweg
  • Die Akte Volkswagen
  • 192 Seiten, ca. 100 Abbildungen
  • 170mm x 240mm, Hardcover
  • Geramond-Verlag
  • € 26.99, € 27.80 (A), sFr 36.90
  • ISBN 978-3-86245-724-3

Kommentar:

Ferdinand Porsche wird in der Öffentlichkeit als Schöpfer des Volkswagens gesehen. So hat man es jedenfalls seit Jahrzehnten gehört und so wird es auch heute noch kolportiert. Doch ist das etwa falsch? Hat Christof Vieweg nun in reiner Enthüllungsmanier einer Legende den Schleier weggezogen und die Volkswagenwelt mit einem Male auf den Kopf gestellt? Die Antwort ist so einfach wie kurz: Jein!

Es ist unstrittig, daß Ferdinand Porsche, aufgrund des Auftrags Adolf Hitlers, den Volkswagen hochoffiziell entwickelt und konstruiert hat. Inwiefern nun Porsche von den damaligen Verhältnissen profitierte, wird in diesem Buch nicht beantwortet. Josef Ganz beispielsweise, der ebenfalls die Idee eines Volkswagens, vor Ferdinand Porsche, verfolgt hat, mußte aufgrund seines jüdischen Glaubens das Deutsche Reich verlassen und wurde überdies von der deutschen Autombilindustrie wegen seiner kritischen Berichterstattung als Chefredakteur der Zeitschrift Motor-Kritik, geächtet, teilweise sogar verfolgt. Die Ideen, die Ganz damals im Zusammenhang mit "seinem" Volkswagen hatte und auch in seiner Zeitschrift veröffentlichte, finden sich in Teilen auch in Porsches Konstruktion wieder. Was wäre gewesen, hätte Ganz das Land nicht verlassen müssen? Welchen Anteil hätte dieser am späteren Volkswagen geltend machen können? Da Josef Ganz jedoch keiner der Hauptakteure in diesem Buch ist, muß der geneigte Leser lediglich aufgrund der wenigen einschlägigen Informationen, die diesem Buch zugrunde liegen, seine eigenen Schlüsse ziehen. Im selben Maße wie Ganz, wird auch der Aerodynamik-Beitrag des Konstrukteurs der tschechischen Firma Tatra, Hans Ledwinka, nur kurz gestreift.

Das Buch beschränkt sich vornehmlich auf vier wesentliche Personen, die völlig zu Recht im Zusammenhang mit der Volkswagenentwicklung und -vermarktung stehen: Béla Barényi, Major Ivan Hirst, Heinrich Nordhoff und nicht zuletzt Ferdinand Porsche.

Vieweg beleuchtet die Rollen der vier so unterschiedlichen Macher separat voneinander, wobei er teils unter beeindruckendem und seltenem Bildmaterial zu beweisen versucht, daß Ferdinand Porsche wesentliche Teile des Volkswagens schlicht von anderen übernommen hat. Als Leser ist man ob der teilweise verblüffenden Informationen, die in wesentlichen Bereichen auch visuell unterstützt sind, stark geneigt, der Argumentation des Autors zu folgen. Die beeindruckenste Übereinstimmung des späteren Volkswagens entstammt einer Konstruktionszeichnung Béla Barényis aus dem Jahre 1928, also weit vor dem Auftrag Hitlers an Porsche. Auch der Zentralrohrrahmen wurde bereits vor Porsche als Rückgrat eines kommenden Volkswagens ersonnen. Da nimmt es nicht Wunder, daß Barényi, zwischenzeitlich als Vater der passiven und aktiven Sicherheit bei Daimler-Benz in die Automobilgeschichte eingegangen, einen langwierigen Rechtsstreit mit dem Volkswagenwerk nach dem Krieg für sich entscheiden konnte. Dieser Teil des Buches beleuchtet die Entwicklung des Volkswagens. Pikantes Detail am Rande: Vieweg läßt in einem Nebensatz nicht unerwähnt, daß Daimler-Benz-Vorstandsmitglied und Hitler-Intimus Jakob Werlin, in seiner Auto-Biographie tönt, Porsche habe ein dermaßen schlecht konstruiertes Fahrzeug vorgelegt, daß Daimler-Benz bei der Erstellung der W30-Prototypen zahlreiche Verbesserungen hat vornehmen müssen und damit indirekt die Daimler-Benz AG als wesentlichen Akteur in Sachen Volkswagenentwicklung zu positionieren versuchte.

Ebenfalls spannend zu lesen sind des Autors Ausführungen über den jungen britischen Major Ivan Hirst, der aus einer in Trümmern liegenden Fabrik 1945 das Beste gemacht und das Werk maßgeblich zum Überleben geführt hat. Ohne Hirst wäre womöglich das ganze Volkwagenwerk nicht mehr auf die Beine, dafür jedoch unter die Räder gekommen. Mit einer gehörigen Portion Verbitterung mußte dieser mitansehen, wie der spätere Generaldirektor Heinrich Nordhoff die Lorbeeren erntete, deren Saat er unter größten Anstrengungen legte.

All dies hat Christof Vieweg feinsinnig und mit einem subtilen Gespür für die Dramaturgie des Falles beleuchtet und niedergeschrieben. Ein Buch für diejenigen, die über den Volkswagen-Tellerrand hinausschauen und ein wenig an der filigranen Entzauberung eines Mythos' teilhaben wollen. Dennoch bleibt auch nach der Lektüre des Buches unbestritten: Ferdinand Porsche hat als einziger die Entwicklung des Volkswagens von A-Z begleitet. Von der ersten Zeichnung bis zur öffentlichen Vorstellung des fertigen Wagens. Allein die Umstände erscheinen nun in einem anderen Licht. (mdr)

   
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