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So rollten die Siebziger - zwischen Prilblumen und autofreien Sonntagen

So rollten die Siebziger
Zwischen Prilblumen und autofreien Sonntagen

Die siebziger Jahre waren nicht zuletzt durch zwei Ölkrisen gekennzeichnet, die auch und gerade für die Automobilindustrie weitreichende Folgen hatten. Nach seinem erfolgreichen Rückblick auf die Automobilisierung in den fünfziger und sechziger Jahren wendet sich der Autor Alexander Franc Storz nun den Siebzigern zu, erzählt von den »autofreien Sonntagen« und davon, daß diese die Beziehung zwischen den Deutschen und ihrem »liebsten Kind« keineswegs trüben konnten, zeigt und beschreibt liebevoll die Allerwelts-Autos ebenso wie die seltenen Exoten, berichtet stimmungsvoll vom Straßenalltag, vom Reisen und vom Camping.

Buchinformationen:

  • Alexander Franc Storz
  • So rollten die Siebziger - zwischen Prilblumen und autofreien Sonntagen
  • 176 Seiten, 100 s/w-Bilder, 149 Farbbilder
  • 230mm x 265mm, gebunden
  • Motorbuch-Verlag
  • € 19.95, sFr 27.90
  • ISBN 978-3-613-03633-8

Kommentar:

Die 70er-Jahre waren das Jahrzehnt automobiler Vernunft in Sachen Sicherheit, Verbrauch und Design. Es war die Zeit, als die "Ente" Ausdruck gesellschaftlicher Avantgarde war und der "Atomkraft? - Nein danke!"-Aufkleber allgegenwärtig. Die Ölkrisen 1973/1974 und 1979, die erste ausgelöst durch den Jom-Kippur-Krieg und die zweite durch den Sturz des Schahs von Persien durch Ajatollah Khomeini, zwangen den deutschen Autofahrer zum Umdenken. Willy Brandt ordnete Tempo 100 auf Autobahnen und vier autofreie Sonntage an. Benzinsparen war die Devise!

Alexander Franc Storz nimmt den Leser dieses (Bilder-)Buches mit auf eine Reise quer durch das Jahrzehnt und gibt dabei dessen Facettenreichtum sehr anschaulich wieder. Es gibt Bilder von Straßensituationen der 70er en masse und, selbstverständlich, jede Menge Autos!

Dies äußert sich u.a. darin, daß der Autor den automobilistischen Horizont auch auf die sog. "Kit-Cars" erweitert, die zweifellos in den 70ern nicht nur ein Schattendasein fristeten. Buggys, Excaliburs und Bugatti-Replikas waren beliebte und preisgünstige Alternativen zu den jeweiligen Originalen und versprachen Spaß, im von Storz bezeichneten "spaßlosen Jahrzehnt". Absolut sehenswert: Exotenbilder vom Schlage eines Citroen Pony, den die griechische National Motor Company (Namco) auf Basis des Citroen Méhary baute oder vom Fissore Scout auf Fiat-127-Basis. Gebaut von der Carrozzeria Fissore aus Savigliano bei Turin. Absolute Unikate: der Bitter Blazer auf Basis des Chevrolet Blazer und der Manta Cargo, entstanden auf dem Manta CC und von Pollmann in Bremen als Shooting Break im britischen Stil realisiert.

Politisch wird Storz, wenn er den durch den US-Verbraucherschutzanwalt Ralph Nader angestoßenen Paradigmenwechsel in der Autoindustrie streift. Nader, ein Vorkämpfer für mehr Sicherheit im Straßenverkehr und Gegner der durch Fahrzeuge verursachten Luftverschmutzung, ließ kaum eine Gelegenheit aus, die Industrie an den Pranger zu stellen und zu piesacken, wo er nur konnte. Obwohl Nader überaus lästig war, basieren auf seinen Interventionen zahlreiche Errungenschaften der Fahrzeugsicherheit, denn die Industrie mußte reagieren, wollte sie nicht als sicherheits- und umweltfeindlich gelten und dadurch Umsatzeinbußen in Kauf nehmen. Abgerundet werden die Ausführungen über die Sicherheit visuell durch Crashtest-Bilder.

A pro pos Bilder! Ausgerechnet ein Werks- und kein Privatfoto gibt eine sehr dynamische Szenerie wieder: Ein Polizei-Taunus (1600) steht am Autobahnrand, während auf der Autobahn ein Käfer einen Fiat 128 überholt und im Hintergrund ein P5 einen /8 jagt - herrlich!

Die Einleitungstexte zu den einzelnen Kapiteln geraten teilweise zu Geschichtsunterricht mit zahlreichen Hintergrundinformationen. Dabei sind sie in diesem Buch angenehm sachlich, informativ und unterhaltsam geraten. Auch die von Storz gewohnt ausführlichen Bildunterschriften wirken diesmal weniger gestelzt und schwülstig und offenkundig nicht immer frei erfunden. Ein Pluspunkt im Vergleich zu den vorherigen Büchern derselben Reihe.

Im letzten Kapitel arbeitet der Autor die sog. "Gelbe Gefahr" auf. Die einheimische Autoindustrie fürchtete die Importe japanischer Autos, die in den 70ern weitgehend ihren Anfang nahmen, wie der Teufel das Weihwasserr, waren diese i.d.R. zum Preis eines Basismodells deutscher Produktion bereits so gut wie vollausgestattet und hatten sicherheitsrelevante Einrichtungen serienmäßig an Bord.

Alexander Franc Storz ist ein Buch gelungen, das aufgrund seines Bilderbuch-Charakters und seiner historischen Informationen allemal einen Blick wert ist.

Die Kapitel im Einzelnen:

  • Kapitel 1: Die größte Umwälzung seit Carl Benz: Das Fahrzeug wird erwachsen
  • Kapitel 2: Das Spaßbremsenjahrzehnt
  • Kapitel 3: Sicher ist sicher
  • Kapitel 4: Die Farben der Saison: knalliges Orange und der grüne Apfel
  • Kapitel 5: Nur sechs Jahre von der Wiege bis zur Bahre: Von Rostlöchern und Prestolith-Bombern
  • Kapitel 6: Die "Gelbe Gefahr" oder: Wie das Abendland doch nicht unterging

(mdr)

   
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