1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 Dieses Buch wurde bislang mit 4.14 Sternen bewertet (bei 11 Stimmen)

Endstation - Die skurrilsten Autofriedhöfe Europas

Endstation
Die skurrilsten Autofriedhöfe Europas

Es gibt sie noch – die vermeintlich ausgestorbenen, wilden Autofriedhöfe. In Wäldern, die sich vielleicht erst nach dem Abstellen der einstigen Symbole von Wohlstand und technischem Fortschritt durchgesetzt haben. Auf Wiesen, uneinsehbar gelegen und durch ihre ständige Feuchte das verbrauchte Blech von unten zersetzend. Auf Grundstücken, deren Besitzer schon vor langem den Überblick über ihr Hab und Gut verloren haben. Einer hat sie aufgespürt.

Thorsten Müller, passionierter Autofan und routinierter Analog-Fotograf, hat auf seinen Reisen durch Europa unzählige dieser besonderen Auto-Ruhestätten dokumentiert. Er zeigt, wie in einem Wald in Schweden neben aufeinandergestapelten Saab 96 amerikanische Straßenkreuzer der Dinge harren. Wie an einem Strand in Portugal ein Heckflossen-Mercedes den Elementen trotzt. Oder wie in Deutschland ein Käfer erträgt, dass sich Birken langsam durch sein weißes Blechkleid arbeiten. Das sind wirklich einmalige Blicke auf Oldtimer, die man sonst nur glänzend und perfekt restauriert kennt! Eine faszinierende Reise in eine geheime Auto-Welt der Ruhe, der Farben und der Kontraste – eine Sinfonie in Rost.

Buchinformationen:

  • Thorsten Müller
  • Endstation
  • 144 Seiten, 150 Farbbilder
  • 249 x 186 mm, gebunden mit Schutzumschlag
  • Delius-Klasing-Verlag
  • € 24.90, € 25.60 (A), sFr 35.90
  • ISBN 978-3-7688-3753-8

Kommentar:

Welcher Autonarr hat als Knirps nicht gerne auf dem Schrottplatz gespielt, als dies noch möglich war, hat sich stolz hinter das Lenkrad eines achtlos abgestellten Autos gesetzt, an selbigem gezerrt und sich gefühlt wie ein König?

Das Buch Thorsten Müllers holt diese Erinnerungen zurück, verklärt den Blick angesichts heutiger Reglementierungswut und öffnet die Augen für das Unsichtbare. Denn eines wird man mit Fug und Recht behaupten können: für Menschen, die mit Autofriedhöfen nichts anfangen können, wird das Unsichtbare unsichtbar bleiben.

Für alle anderen jedoch öffnet sich eine faszinierende Welt des Verfalls, des Zer- und Gebrochenen. Sie gibt die Sicht für eine morbide Umgebung frei, deren mahnende Zeitzeugen sich teils trotzig, teils bereits ergeben, gegen die Unbilden des Wetters und der Vergänglichkeit stemmen. Manche haben sich auf ihrer letzten Fahrt in guter Gesellschaft eingefunden, andere wiederum, wie ein einsamer Borgward Hansa 1800, sind im wahrsten Sinne des Wortes am Boden zerstört. Sie liegen gebrochen darnieder und warten nur noch darauf, endgültig von der Erde aufgesogen zu werden.

Sie können einem leid tun, die Autos, wie sie wehrlos der Natur überlassen wurden, doch sie spiegeln auch den Kreislauf wieder, der einem jeden Autoleben innewohnt: Vom stolzen Besitz zum unwürdigen Ende! Wenige bekommen ein zweites Leben geschenkt, indem sie als Klassiker in guten Händen weiterleben dürfen.

Das Buch bildet einen breiten Querschnitt amerikanischer und europäischer Marken ab. Der Großteil der Bilder scheint in Skandinavien entstanden zu sein, wobei der Autor ab und an lesenwerte kurze Anekdoten zum ein oder anderen Auto oder Schrottplatz einflechtet.

Die Motive wurden überwiegend von vorne und dabei formatfüllend aufgenommen. Wenn nicht allzuviel von der Umgebung mit auf das Bild gepaßt hat, nimmt dies ein wenig den Reiz aus dem Gesamt-Motiv. Inwieweit man in diesen Fällen mit mehr Weitwinkel hätte operieren können, läßt sich in der Nachbetrachtung nicht beantworten. Der Autor entschuldigt allzu opulente Nahaufnahmen mit beengten Platzverhältnissen, was durchaus plausibel ist.

Alle anderen Fotos jedoch entfalten eine schaurig-schöne Stimmung, wobei die bereits im Umschlagtext erwähnte Mercedes-Benz Heckflosse dem Ganzen die Krone aufsetzt! Thorsten Müller hat sich alle Mühe dabei gegeben, dem Leser und Betrachter eine Welt zu zeigen, wie es sie nicht mehr allzuoft gibt, respektive geben darf. Dafür haben regulierungswütige Beamten schon gesorgt. Ein Jammer und wer diese Welt vermißt, findet sie gottlob in Endstation wieder. (mdr)

   
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